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Werden künftig "RoboCops" für unsere Sicherheit auf den Straßen sorgen?

Aktualisiert: vor 12 Stunden


Thailand & China machen es vor..


Der 1987 erschienene Film RoboCop galt lange als dystopische Science-Fiction. Doch was damals noch futuristisch wirkte, rückt inzwischen näher an die Realität. In mehreren Ländern werden humanoide Roboter bereits testweise im Polizeieinsatz eingesetzt – nicht als Ersatz für menschliche Beamte, sondern als technologische Unterstützung.

So kam im vergangenen Jahr beim Songkran-Festival in Thailand erstmals ein humanoider Roboter mit dem Namen „AI Police Cyborg 1.0“ zum Einsatz. Auch im chinesischen Shenzhen patrouillierte ein erster Polizeiroboter: der PM01 des Herstellers Engine AI. Dieser Open-Source-Humanoid sorgte bereits zuvor für Aufsehen, als er als erster humanoider Roboter einen Vorwärtssalto ausführte.


Der in Thailand eingesetzte Roboter wurde von Pakorn Thongjeen, Gründer der in Bangkok ansässigen Security Pitch Co., Ltd., entwickelt. Thongjeen ist ehemaliger Polizist und verfolgte mit dem Projekt das Ziel, gemeinsam mit den Behörden zu demonstrieren, welchen Mehrwert humanoide Roboter für die öffentliche Sicherheit leisten könnten. Inspiriert wurde das Design unter anderem von Superhelden wie Iron Man oder Captain America.


"Usecase" ist immer abhängig von den beteiligten Menschen


Ein zentraler Gedanke hinter dem Projekt ist die besondere Beziehung zwischen Bevölkerung und Polizei in Thailand. Polizisten werden dort auf der Straße häufig gemieden, da sie für ihr hartes Durchgreifen bekannt sind. Der „AI Police Cyborg“ soll bewusst einen Gegenpol darstellen: weniger bedrohlich, moderner, technischer – und damit Hemmschwellen abbauen, anstatt sie zu verstärken.


Technisch ist der Humanoid etwa zwei Meter groß und mit einem 360-Grad-Kamerasystem ausgestattet. Zusätzlich kann er auf nahegelegene Überwachungskameras sowie Drohnen zugreifen. Dadurch ist er in der Lage, potenzielle Gefahrenstellen frühzeitig zu erkennen und an menschliche Einsatzkräfte weiterzuleiten. Der Roboter kann gefährliche Gegenstände wie Waffen, Messer oder Schlagstöcke identifizieren und per Gesichtserkennung prüfen, ob gesuchte Personen unter den Anwesenden sind. Die finale Bewertung und das Eingreifen verbleiben dabei stets bei den menschlichen Kollegen.

Neben diesen technischen Fähigkeiten setzen die Behörden auch auf einen präventiven Effekt: Größe, Uniform und Präsenz sollen abschreckend wirken und dazu beitragen, dass gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen.


Relevanz für Europa u. DACH


Vor diesem Hintergrund stellt sich unweigerlich die Frage, ob ein solcher Ansatz auch für Europa relevant sein könnte. In Deutschland, Österreich und der Schweiz fühlen sich zunehmend weniger Menschen im öffentlichen Raum sicher. Laut einer Erhebung des ARD-Deutschlandtrends geben in Deutschland nur noch rund 50 Prozent der Bevölkerung an, sich dort sicher zu fühlen. Im Jahr 2017 lag dieser Wert noch bei etwa 75 Prozent – ein deutlicher Einbruch des subjektiven Sicherheitsempfindens. Besonders Frauen sind davon überproportional betroffen.


Könnten humanoide Roboter also trotz Personalmangels bei Polizei und Sicherheitsdiensten einen zusätzlichen Mehrwert für die Gesellschaft bieten?


Aktuell sind die in China und Thailand eingesetzten Systeme ausschließlich zu visuellen und kommunikativen Aufgaben fähig. Sie patrouillieren gemeinsam mit menschlichen Kollegen, analysieren Situationen und melden Auffälligkeiten. Ein autonomes Eingreifen findet nicht statt. Zwar spielt der Abschreckungseffekt eine Rolle, doch insbesondere bei Gewaltstraftätern dürfte dieser nur begrenzt wirken – vor allem dann, wenn humanoide Roboter künftig zum alltäglichen Straßenbild gehören.


Hinzu kommt in Europa eine zentrale Hürde: der Datenschutz. Der Einsatz von Gesichtserkennung, Kameras und vernetzten Systemen im öffentlichen Raum steht in einem Spannungsfeld mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Was in China oder Thailand vergleichsweise unkompliziert umgesetzt werden kann, wäre in Deutschland rechtlich und gesellschaftlich deutlich schwerer durchsetzbar.


Dennoch lässt sich das langfristige Potenzial kaum leugnen. Denkbar wäre, dass humanoide Roboter eines Tages dazu beitragen könnten, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen oder zu entschärfen – etwa bei Gewalttaten wie jener in Mannheim am 31. Mai 2024, bei der der Polizist Rouven Laur sein Leben verlor, als er andere Zivilisten schützen wollte.


Insbesondere Messerangriffe sind in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem prägenden Thema geworden. Wäre es nicht ein echter Fortschritt, wenn Technologien entwickelt würden, die es ermöglichen, Gewalttäter kontrolliert zu überwältigen, ohne tödliche Gewalt anzuwenden – und gleichzeitig Menschenleben zu schützen?

Die Vorstellung wirft zahlreiche ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen auf. Doch sie zeigt auch: Die Diskussion über humanoide Roboter im öffentlichen Dienst ist keine Science-Fiction mehr, sondern eine Debatte, die uns in Zukunft zunehmend begleiten wird.


Was meint ihr dazu?



Film RoboCop, 1987
Film RoboCop, 1987

Wir freuen uns auch künftig weitere Entwicklungen des Unternehmens zu verfolgen und halten Euch auf dem Laufenden rund um das Thema Humanoider Roboter, AI und Robotic Solutions. Der Newsletter im DACH-Raum.



Quellen:

  • Computerwoche, T. Fincken, 2026

  • VNExpress, D. Nguyen, 2006

  • SRF.ch, 2026

  • ARD - Deutschlandtrend,- Tageschau.de, 2026



 
 
 

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